Sitten in der Türkei: Bräuche & Etikette für Reisende
Sitten und Bräuche in der Türkei – Etikette für Reisende
Türken sind ausgesprochen gastfreundlich und verzeihen Fremden fast jeden kleinen Fehler. Wer aber ein paar Grundregeln kennt, wird schnell merken, wie sich Türen öffnen. Seit 1989 begleiten wir Gäste durch die Türkei – das sind die Sitten, nach denen wir am häufigsten gefragt werden.
Begrüßung und Respekt vor dem Alter
- Zur Begrüßung gibt man sich die Hand, unter Freunden folgen zwei angedeutete Wangenküsse.
- Älteren Verwandten küsst man die Hand und führt sie anschließend an die Stirn – ein Zeichen tiefen Respekts, besonders an den Feiertagen (Bayram).
- Ältere werden zuerst begrüßt, zuerst bedient und bekommen den besten Platz.
- Fremde werden oft familiär angesprochen: „Abla“ (große Schwester), „Abi“ (großer Bruder), „Teyze“ (Tante) oder „Amca“ (Onkel). Mehr dazu in unserem Beitrag über Verwandtschaft.
Zu Gast in einer türkischen Wohnung
- Schuhe aus: Vor der Wohnungstür werden die Schuhe ausgezogen, meist stehen Hausschuhe für Gäste bereit.
- Gastgeschenk: Süßes aus der Konditorei, Blumen oder Lokum sind immer richtig. Was sonst gut ankommt, lesen Sie in unserem Beitrag „Was wird geschenkt?“.
- Tee und Essen: Gästen wird reichlich angeboten. Ein höfliches „Nein“ wird oft als Bescheidenheit verstanden – rechnen Sie mit einem zweiten und dritten Angebot.
- Kölnisch Wasser: Zur Begrüßung wird häufig „Kolonya“ auf die Hände geträufelt – ein Zeichen der Gastfreundschaft.
Moscheen besuchen
- Schultern und Knie bedeckt; Frauen tragen ein Kopftuch (in vielen Moscheen am Eingang erhältlich).
- Schuhe werden vor dem Betreten ausgezogen und in die bereitliegenden Tüten oder Regale gestellt.
- Während der Gebetszeiten, besonders am Freitagmittag, ist der Besuch für Touristen eingeschränkt.
- Betende nicht fotografieren und nicht vor ihnen hergehen.
In der Öffentlichkeit
- Kleidung: In Istanbul ist vieles erlaubt, in konservativen Vierteln wie Fatih oder Üsküdar wird zurückhaltende Kleidung geschätzt.
- Zärtlichkeiten: Paare halten sich in der Öffentlichkeit eher zurück.
- Fotografieren: Menschen, besonders Frauen, vorher um Erlaubnis fragen. Militärische Anlagen dürfen nicht fotografiert werden.
- Staatssymbole: Die Flagge und Atatürk genießen hohes Ansehen. Abfällige Bemerkungen sind nicht nur unhöflich, sondern können strafbar sein.
- Schuhsohle: Jemandem die Schuhsohle entgegenzustrecken gilt als respektlos.
Handeln, Trinkgeld und Rechnung
- Im Basar wird gehandelt, in Geschäften mit Festpreisen und in Supermärkten nicht.
- Im Restaurant sind 5 bis 10 Prozent Trinkgeld üblich.
- Wer einlädt, zahlt. Ein freundlicher Streit um die Rechnung gehört dazu – beim nächsten Mal sind Sie an der Reihe.
Zeit und Gelassenheit
Pünktlichkeit wird im Geschäftsleben erwartet, im Privaten ist man großzügiger. Ein „Inşallah“ (so Gott will) bei Verabredungen bedeutet keine Absage, sondern Gelassenheit. Und wer sich nach dem Weg erkundigt, wird oft ein Stück begleitet.
Viele Gesten haben in der Türkei eine eigene Bedeutung – das berühmte „Daumen hoch“ zum Beispiel. Mehr dazu in unserem Beitrag Körpersprache in der Türkei.
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